Auslaß-Zeit? Überström-Zeit? Vorauslaß? Um ein Wenig Licht ins Dunkel zu bringen, zuerst einmal ein Diagramm.
Man nimmt den Zylinderkopf ab, schraubt auf 2 diagonal gegenöber liegenden Stehbolzen Muttern (größere Muttern unterlegen statt dem Zylinderkopf) und dreht die Kurbelwelle “vorwärts” im Urzeigersinn.
Wenn man beim Drehen in den Zylinder sieht, kann man beobachten, wie der Kolben mit seiner Oberkante das Loch des Auslaß und der Überstöm-Kanäle bei verschiedenen Stellungen der Kurbelwelle freigibt und wieder verschließt.

Angefangen am oberen Totpunkt (höchste Stellung des Kolbens) öffnet dieser zuerst den Auslaß, kurz danach die Überström-Kanäle (alle gleichzeitig oder bei komplexeren Systemen nacheinander) um dann nach dem unteren Totpunkt diese zuerst wieder zu verschließen, danach den Auslaß.
Der Winkel vom Öffnen der Überström-Kanäle (ÜS) bis zum Schließen ist die sog. Überström-Steuerzeit, kurz Überströmzeit. Im Bild beträgt sie 100°, also von 50° vor UT bis 50° danach. Analog beim Auslaß die Auslaß-Steuerzeit oder einfach “Auslaßzeit”, 170°: Von 85° v. UT bis 85° n. UT. Messen kann man diese, indem man statt dem Lüfterrad eine Gradscheibe anbringt, am OT der Kurbelwelle auf 0° ausrichtet und dann einfach abliest.
Daß die Winkel vor und nach UT gleich sind liegt daran, daß das Öffnen und Schließen an der selben Kante passiert, also muß der Kolben zwangsweise beim selben Winkel an dieser vorbeikommen, egal ob auf- oder abwärts - ebenfalls egal, ob man die Kurbelwelle links- oder rechtsherum dreht.
Würde man nun die Kante des Fensters des Überström-Kanals im Beispiel höher fräsen (höher = “Richtung Zylinderkopf”), so daß es bereits bei 60° statt 50° v. UT vom Kolben freigegeben wird, so würde es auch erst 60° n. UT wieder von diesem geschlossen werden. Somit eine satte Anhebung der ÜS-Zeit von 100° auf 120°, nur durch einige mm oder im Extremfall nur Zehntel mm Fräsen!
Der grün markierte Winkel von “Auslaß geöffnet” bis “ÜS geöffnet” (hier 35°) ist der sog. “Vorauslaßwinkel”, hier kann das Altgas aus dem Zylinder in den Auspuff, ohne daß Frischgas aus der Kurbelkammer durch die ÜS nachfließen kann.
Unabhängig von diesen (durch die Kolbenbewegung symmetrischen) Zeiten ist der Drehschieber-gesteuerte Einlaß am Gehäuse zu sehen, durch den das Gemisch vom Vergaser in die Kurbelkammer gelangt. Im dunkelgrau markierten Bereich gibt die “rechte” Wange der Kurbelwelle dein Einlaß am Gehäuse frei, hier von 100° v. OT bis 55° n. OT, also 155° “Einlaßzeit”. Schön zu sehen bei abgenommenem Luftfilter und -deckel durch den ganz aufgezogenen Vergaser.
Auswirkungen und generelles zu den einzelnen Zeiten bzw. Winkeln und zu ihren Verhältnissen zueinander sind im GSF zu finden, ein PDF mit der Grafik und Erklärungen bei den Downloads.

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