Pulverbeschichten

Eine kleine Einführung

In den USA wird seit ca. 10 Jahren so ziemlich alles pulverbeschichtet, was nicht in die Richtung „Custom Lack“ geht. Hierzulande wird die Technik vor allem im Sport- und Medizinbereich angewendet, da die Beschichtungen sowohl extrem schlagfest als auch widerstandsfähig gegen organische Säuren und auch unempfindlich gegen elektrische Aufladungen sind.

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Vorarbeiten

„Zwingend“ sandgestrahlt muß nicht werden, aber restlos sauber müssen die Teile sein, also „lacklos“ und frei von Spachtelmasse und Fett.

Schweißen, Dengeln und Zinnen sind die besten Lösungen, um Löcher und Dellen vor dem Beschichten zu bearbeiten, Kaltmetall geht unter Umständen auch – muß aber „vollgasfest“ sein für 10-15 Minuten 200-210°C. Auch das 250°-Kaltmetall von Conrad fällt gerne bei 200° schon aus den Löchern!

Dr Kabelbaum muß übrigens raus, aber das kann man sich eh vorstellen, wenn man weiterliest…

Farben

Alle RAL-Farben, alle DB-Farben (Deutsche Bahn, z.B. Anthrazit-Töne mit silbernen Metallflakes) und ein paar absolute Highlights wie typische „Autoscooter-Lacke“ (z.B. schwarz, tief glänzend mit allerlei bunten Flakes drin) oder sogar Wurzelholz-Effekte. Die meisten Töne sind in glänzend, seidenglänzend oder matt zu haben.

Strukturen

Die meisten – aber nicht alle – Farben können in „glatt“, „Feinstruktur“ (ungefähr wie 200er Schmirgelpapier) und „Grobstruktur“ (fast wie wie Grip-Tape) gepulvert werden. Diese Struktur richtet sich nach der Zusammensetzung des Pulvers und nicht nach Backzeit oder -temperatur.

Das Pulverbeschichten selbst

Das Metall wird meistens zuerst „nackt“ bei über 200°C 15 Minuten ausgebrannt, so läuft z.B. aus den Steuerlagern und Falzen das Fett heraus und brennt ab. Dann werden Lagersitze, Gewinde, Dichtflächen etc. mit Silikon-Klebeband und konischen Stöpseln abgeklebt bzw. zugestöpselt, und danach wird das Pulver elektrostatisch aufgetragen.

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Das zerstäubte Pulver wird so vom Metall angezogen und legt sich in einer gleichmnäßigen Schicht auf das Material ab. Trotzdem funktioniert es auch auf „Innenseiten“ wie z.B. im Rahmen-Tunnel, wo einfach Pulver „durchgeblasen“ wird. Die elektrostatische Methode ist ein Grund, warum nicht-metallische oder unsaubere Oberflächen oder gar Kunststoff nur schwer beschichtet werden können. Ein anderer ist das Einbacken bei ~200°C.

Gebacken werden die bestäubten Teile bei 200-210° 5-15 Minuten, je nach Pulver-Spezifikation, bis das Material durchgeheizt ist. Eine Gepäckfach-Abdeckung ist z.B. schneller durchgeheizt als ein Lenkrohr oder ein Motorblock.

Nach dem Backen brauchen massive Teile wie das Lenkkopf-Unterteil ca. 30 Minuten, um völlig abzukühlen und so die richtige Farbe zu bekommen – nicht erschrecken, wenn die Teile frisch aus dem Ofen kommen und Krebsrot statt gelb sind…

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Wahlweise kann zuerst eine Schicht mit hohem Zink-Anteil eingebrannt werden und darauf dann die eigentliche Farbe im zweiten Gang, eine Schicht Farbe alleine reicht jedoch als Korrosionsschutz völlig aus. Probleme mit der „Deckkraft“ beim Pulverbeschichten gibt es nicht, ebenfalls keine „Nasen“ wie beim klassischen Naßlackieren.

Kosten

2 Kilo Pulver kosten ungefähr 20,- Euro (!), auf meiner T5 sind 200g Zinkpulver und 350g gelb drauf. Stromkosten pro Largeframe ~10-25 Euro, dazu kommt noch die Arbeitszeit, rund 2h für 2 Schichten inklusive Backen und Auskühlen.

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Generelles

Pulverbeschichtungen sind idR stoßfester als Lacke, unter anderem dadurch, daß sie dauerelastisch bleiben. Wenn man einen Schraubendrehen z.B. „vorwärts“ über Lack schiebt, entsteht das typische Reißverschluß-Muster, bei einer Pulverbeschichtung bleibt der Schraubenzieher einfach stecken und rutscht nicht weiter.

Es ist ein Märchen, daß Beschichtungen nicht gepflegt werden müssen. Bei langem Aufenthalt in der Sonne werden Pulverbeschichtungen stumpf und kreiden aus, d.h. sie verlieren ihren Flüssigeitsanteil, sie werden weißlich wie alte Coladosen am Straßenrand.

Eincremen mit den richtigen Mittelchen hält eine Pulverbeschichtung über rund 50 Jahre frisch, moderne Autolacke sind mit ca. 70 Jahren angegeben. Alte Lacke kreiden nach 10 Jahren aus, wie man immer wieder mal an Autos und dort vor allem an Kunststoffteilen sehen kann.

Pulverbeschichtungen sind chemikalienfest, elastisch, und nicht zuletzt ist das Verfahren viel Umweltfreundlicher als Lackieren, da keinerlei Lösungsmittel verwendet werden und überschüssiges Pulver einfach mit dem Staubsauger zusammengesaugt und mit dem Hausmüll entsorgt werden kann. Erhältlich sind sie in verschiedenen Qualitäten für Innen- oder Außenanwendung, in Fassadenqualität, oder sogar elektrisch leitend für ESD-Bedarf.

Weitere Infos gibt’s zum Beispiel hier, vor allem die TigerLAC Seite (Technologie -> Produkte) ist sehr zu empfehlen.

6 Kommentare

  1. Kaufen tu‘ ich die Farbe nicht – man muß ja auch seinen Lack nicht mit zum Lackierer bringen…

    Mein Pulverbeschichter hat die Farben vorrätig, alles von PulverLAC, also „ST Powder Coatings“.

  2. Hallo,
    wollte nur fragen was auf deiner T5 für ein farton drauf ist, sieht echt schik aus…
    mfg

  3. Es gibt Pflegemittel speziell für Kunststoffbeschichtungen. Warmes Wasser mit Lackpolitur ohne Scheuer-Bestandteile ist auch ok. Danach abtrocknen, nicht nass/feucht stehen lassen.

    Die T5 ist RAL1028, Melonengelb. Das ist auch die Farbe von Lufthansa.

  4. Moin, moin ,

    habe mene neue „alte“ PK auch beschichten lassen. Einfach eine Frage des Preises…

    Welche Pflegemittelchen verwendest Du bzw. kennst Du?

    gruss

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